Seit 1927 ist das Donau-Stauwerk Kachlet mit seiner Doppelschleuse und seinem Wasserkraftwerk aus Passau, Bayern nicht wegzudenken. Kachlet gilt als essenziell für den europäischen Güterverkehr, rund 10.000 Schiffe passieren hier jährlich. Knapp 100 Jahre nach seiner Errichtung ist es nun Zeit für eine Rundumerneuerung.
Eine der größten Modernisierungsmaßnahmen und Grundsanierungen an der Main-Donau-Wasserstraße wurde in einem offenen Bieterverfahren an eine ARGE bestehend aus HABAU GROUP, PORR und FELBERMAYR vergeben. Im Auftrag des Wasserstraßen-Neubauamts Magdeburg werden die drei Unternehmen in einem Zeitraum von 13 Jahren beide bestehenden Schleusenkammern nacheinander generalinstandsetzen, beginnend mit der Südschleuse. Der Verkehr wird während der Umbauarbeiten der Südschleuse über die Nordschleuse geführt und umgekehrt.
„Die Generalinstandsetzung der Schleuse Kachlet ist ein ingenieurtechnisch hochkomplexes Großprojekt“, so HABAU GROUP CEO Hubert Wetschnig. „Die Arbeiten erfordern höchste Präzision in Planung und Ausführung. HABAU bringt dafür ihre ausgewiesene Kompetenz im Ingenieur- und Wasserbau ein, um gemeinsam mit den ARGE-Partnern eine dauerhaft sichere und leistungsfähige Infrastruktur für die Donau zu realisieren.“
Auftrag mit besonderen Dimensionen
Es ist ein Großprojekt in jeder Hinsicht: Jede Schleuse wird im Endausbau etwa 335 Meter lang und 24 Meter breit sein. Bei der Errichtung kommt eine Vielzahl von Bauleistungen zum Einsatz, von Abbruch- und Erdbauarbeiten bis zu Betonbau, Leitungsbau und Stahlwasserbau. Bis zu 100 Mitarbeiter:innen werden auf der Baustelle unterwegs sein.
Die Maßnahme umfasst beide Schleusenkammern – Süd und Nord – einschließlich der jeweiligen Ober- und Unterhäupter. Die bestehenden Bauwerke werden bis auf die Grundsohle zurückgebaut und anschließend gemäß aktuellen technischen Standards vollständig neu errichtet. Bestandteil des Projekts ist zudem die Installation einer hochmodernen Schleusentortechnik mit neuen Stemmtoren und hydraulischen Antrieben. Ziel ist es, die Betriebssicherheit deutlich zu erhöhen, die Anlage an heutige Anforderungen der Schifffahrt anzupassen und ihre langfristige Funktionsfähigkeit zu sichern. Ergänzend werden die Außenwände der Schleusenkammern in einem wassersenkenden Eigendruckverfahren abgetragen, neu verankert und mit einer neuen Vorschutzschale versehen.
Komplexe Anforderungen – starke Partner
Das Projekt ist mit einer Reihe anspruchsvoller Rahmenbedingungen verbunden. Während der gesamten Bauphase wird die Schifffahrt aufrechterhalten, was temporäre Umleitungen sowie eine enge Koordination aller Beteiligten erfordert. Gleichzeitig stellt die Logistik zu Land und zu Wasser eine hochkomplexe Herausforderung dar, da Materialanlieferungen, Gerätebewegungen und Bauabläufe präzise aufeinander abgestimmt werden müssen. Hinzu kommen hohe Anforderungen an den Baugrund und die Wasserhaltung, die eine sorgfältige Planung und Umsetzung notwendig machen.
In der ARGE bündeln HABAU GROUP, PORR und FELBERMAYR ihre jeweiligen Kernkompetenzen für eine optimale Projektumsetzung. Die HABAU GROUP übernimmt zentrale Ingenieurbauleistungen im Wasserstraßenbau und bringt ihre ausgewiesene Betontechnologie, innovative Bauverfahren sowie eine strukturierte Arbeitsvorbereitung und Projektkoordination ein. PORR ergänzt das Leistungsspektrum insbesondere durch ihre umfassende Expertise im Spezialtiefbau sowie im Ingenieur- und Erdbau während FELBERMAYR ihre langjährige Erfahrung im Wasserbau sowie in der Hebetechnik beiträgt. Das enge Zusammenspiel aller Partner bildet die Grundlage für eine technisch hochwertige und termingerechte Umsetzung des Projekts.
Nachhaltige Lerneffekte über das Projekt hinaus
Über die bauliche Umsetzung hinaus setzt das Projekt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung digitaler Prozesse. Die vollständige Planung in einer dreidimensionalen Umgebung sowie der Einsatz von Building Information Modeling (BIM) ermöglichen eine frühzeitige Erkennung von Schnittstellen und potenziellen Kollisionen zwischen den Gewerken und unterstützen eine koordinierte, wirtschaftliche Ausführung. Ergänzend sorgt ein durchgängiges IT-gestütztes Prozessmanagement – unter anderem durch die ARGE-Kalkulation in iTWO – für transparente, strukturierte Abläufe über die gesamte lange Bauzeit hinweg. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten schafft zudem wertvolle „Listen-and-Learn“-Effekte, aus denen praxisnahe Erkenntnisse für zukünftige Großprojekte gewonnen werden.
Baustart des Projekts ist im Jänner 2026. In einem ersten Bauabschnitt wird die Südschleuse von 2026 bis 2033 errichtet, anschließend folgt die Umsetzung der Nordschleuse von 2033 bis 2038. Mit der Fertigstellung beider Bauabschnitte ist die Gesamtinbetriebnahme der Anlage für das Jahr 2038 geplant.